Hodenhochstand: Behandlung, Folgen, Ursachen (2023)

Kurzübersicht

  • Behandlung: Beim Säugling ggf. abwarten max. bis zum 6. Lebensmonat, Hormontherapie (GnRH und/oder HCG), verschiedene OP-Verfahren
  • Krankheitsverlauf und Prognose: In den ersten Lebensmonaten ist ein Hodenabstieg von selbst möglich. Eine Behandlung ist meist erfolgreich, Komplikationen sind selten; jedoch besteht ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs; begünstigt Komplikationen wie Hodentorsion, Leistenbruch oder eingeschränkte Fruchtbarkeit
  • Symptome: Keine unmittelbaren Beschwerden; leerer Hodensack, Hoden nicht tastbar
  • Ursachen und Risikofaktoren: Fehlerhafter Hodenabstieg z.B. durch mechanisches Hindernis, genetische Faktoren, Hormonstörungen, erhöhtes Risiko durch Diabetes mellitus der Mutter, künstliche Befruchtung, Umweltgifte (z.B. Pestizide), Alkoholkonsum, Rauchen
  • Untersuchung und Diagnose: Tastuntersuchung, ggf. bildgebende Verfahren (Ultraschalluntersuchung, Magnetresonanztomografie), Hormonspiegelbestimmung, Bauchspiegelung (Laparoskopie)
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Was ist ein Hodenhochstand?

Bei einem Hodenhochstand (Maldescensus testis) befindet sich mindestens ein Hoden nicht in seiner natürlichen Lage im Hodensack (Skrotum), sondern im Leistenkanal oder unteren Bauchraum.

Meistens handelt es sich dabei um ein angeborenes Phänomen (primärer Hodenhochstand). Bei Kindern fällt der Hodenhochstand meist schon direkt nach der Geburt auf. Nur in seltenen Fällen liegt ein Hoden zunächst in der richtigen Position und nimmt erst später eine falsche Lage ein (sekundärer Hodenhochstand).

Wie entsteht ein Hodenhochstand?

Beim Ungeborenen entstehen die Hoden in der Bauchhöhle auf Höhe der oberen Lendenwirbel. Im Laufe der Schwangerschaft wandern sie erst zum Beckenrand und von dort ab dem siebten Schwangerschaftsmonat über den Leistenkanal in den Hodensack.

Die Hoden liegen aber nicht isoliert im Hodensack, sondern sind am Samenstrang (Funiculus spermaticus) befestigt. Dabei handelt es sich um ein Bündel aus Gefäßen, Nervenfasern und dem Samenleiter, das von den Hoden durch den Leistenkanal in den Bauchraum zieht.

Die "Wanderung" des Hodens Richtung Hodensack in der Embryonalzeit bezeichnet man als Hodenabstieg (Descensus testis). Bei einer normalen Schwangerschaftsdauer sollten bis zur Geburt beide Hoden in das Skrotum gelangen.

Verschiedene Faktoren behindern manchmal den vollständigen Hodenabstieg. Man spricht dann von einem Maldescensus testis. Je nachdem, auf welcher Höhe seiner Wanderungsstrecke der Abstieg stoppt, bleibt der betroffene Hoden entweder in der Bauchhöhle oder im Leistenkanal zurück. Er steht also höher als normal, daher der Begriff "Hodenhochstand".

Bei einem sekundären Hodenhochstand gelangt der Hoden zurück in den Leistenkanal oder sogar Bauchraum, nachdem er sich zunächst im Hodensack befand. Das geschieht etwa durch Wachstumsstörungen oder Vernarbungen nach bestimmten Operationen.

Welche Formen von Hodenhochstand gibt es?

Je nach Lage des betroffenen Hodens unterscheidet man grundsätzlich drei Varianten des Hodenhochstandes:

  • Bauchhoden (Retentio testis abdominalis): Bei dieser Form hat die Wanderung des Hodens bereits im Bauchraum gestoppt.
  • Leistenhoden (Retentio testis inguinalis): Der Hoden liegt im Bereich des Leistenkanals und lässt sich nicht in den Hodensack verlagern. Dies ist die häufigste Form eines Hodenhochstandes.
  • Gleithoden (Retentio testis präscrotalis): Der Hoden befindet sich im untersten Teil des Leistenkanals, knapp oberhalb des Hodensacks. Zwar lässt sich der Gleithoden zwar mit sanftem Druck in den Hodensack verschieben, er gleitet dann aber wieder in seine ursprüngliche Position zurück, weil der Samenstrang zu kurz ist.
  • Pendelhoden (auch: "Wanderhoden"): Der Hoden liegt zwar im Hodensack, wird aber durch reflexartige Anspannung eines im Samenstrang verlaufenden Muskels, des Musculus cremaster, in den Leistenkanal gezogen. Auslöser für den Kremasterreflex sind zum Beispiel Kälte, Stress oder sexuelle Erregung.

Anders als die vorgenannten Formen eines Hodenhochstands ist ein Pendelhoden nicht krankhaft und zieht keine Komplikationen nach sich. Er muss daher nicht behandelt werden.

Im Zusammenhang mit einem Hodenhochstand ist manchmal von einem sogenannten Kryptorchismus die Rede. Diese beiden Begriffe bedeuten aber nicht das Gleiche. Auch ist der Kryptorchismus keine Variante des Hodenhochstandes.

"Kryptorchismus" ist lediglich ein Oberbegriff dafür, dass sich der Hoden nicht ertasten lässt. Das trifft zwar bei einem Bauchhoden zu, aber auch, wenn ein Hoden gar nicht angelegt ist (Hodenagenesie). Genauso ist es möglich, dass er an anderen Stellen, außerhalb von Bauchraum und Leistenkanal, liegt (Hodenektopie) und deshalb nicht tastbar ist.

Wie häufig ist der Hodenhochstand?

Der Hodenhochstand ist die häufigste angeborene Fehlbildung der Genitalien. Bei etwa ein bis drei Prozent der reif geborenen Jungen ist mindestens ein Hoden nicht bis in den Hodensack abgestiegen. Unter den Frühgeborenen ist der Anteil mit 30 Prozent sogar noch wesentlich höher. Bei circa 1,5 Prozent der Jungen entwickelt sich erst nach der Geburt ein sekundärer Hodenhochstand.

(Video) Hodenhochstand im Kindesalter - Rechtzeitig handeln & Krebsrisiko zu verringern | Urologie am Ring

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Was tun bei einem Hodenhochstand?

Die Behandlung eines Hodenhochstandes hat das Ziel, den oder die falsch liegenden Hoden frühzeitig in das Skrotum zu verlagern. So versucht man einerseits, das Risiko für spätere Komplikationen zu reduzieren. Andererseits ist er dann tastbar und zukünftig einer körperlichen Untersuchung zugänglich.

Das Hodengewebe reagiert empfindlich, wenn die Außentemperatur zu hoch ist. Deshalb befinden sich die Hoden normalerweise im Hodensack, wo geringere Temperaturen herrschen als im Körperinneren.

Damit der Hoden bei einem Maldescensus testis nicht zu lange der erhöhten Temperatur ausgesetzt ist, sollte eine Therapie möglichst früh erfolgen und spätestens mit Vollendung des zwölften Lebensmonats abgeschlossen sein. Während der ersten sechs Monate wartet man allerdings ab, da in dieser Zeit der zu hoch liegende Hoden eventuell noch von selbst absteigt.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Behandlungsansätze. Bei der konservativen Therapie versucht man, einen Hodenabstieg mithilfe bestimmter Hormone zu erreichen. Größere Erfolgsaussichten hat aber die operative Verlagerung des Hodens.

Hodenhochstand: Hormontherapie

In manchen Fällen gelingt der Hodenabstieg, indem man dem Patienten spezielle Hormone verabreicht. Man setzt Botenstoffe ein, die auch für den natürlichen Hodenabstieg während der Schwangerschaft verantwortlich sind: GnRH ("Gonadotropin Releasing Hormon") und HCG ("Humanes Choriongonadotropin").

Es ist möglich, dass der Arzt die Hormone jeweils einzeln oder in Kombination gibt. GnRH gibt es als Nasenspray, HCG als Spritze.

Je näher ein Hoden am Skrotum liegt, desto wahrscheinlicher gelingt die Hormontherapie. Insgesamt ist die Erfolgsrate aber mäßig. Nur bei jedem fünften Patienten erreicht man einen Hodenabstieg, wobei sich die beiden Hormone in ihrer Wirksamkeit kaum unterscheiden.

Zudem ist diese Therapieform mit einigen Nebenwirkungen verbunden. Den behandelten Säuglingen wachsen manchmal Schamhaare und es ist möglich, dass der Penis ungewöhnlich an Größe zunimmt. Gelegentlich treten Schmerzen im Genitalbereich auf.

Hodenhochstand: OP

Die Erfolgsaussichten einer operativen Behandlung des Hodenhochstandes sind deutlich größer als bei der Hormontherapie. Allerdings ist die chirurgische Verlagerung eines falsch liegenden Hodens anspruchsvoll. Der Operateur sollte deshalb über ausreichende Erfahrung mit diesem Eingriff verfügen. Je nach Lage des Hodens, kommen grundsätzlich zwei verschiedene Operationsverfahren zum Einsatz: die offene und die laparoskopische OP.

Laparoskopische Hodenhochstand-OP

Die Laparoskopie ist ein operatives Verfahren zur Untersuchung des Bauchraums. Dabei führt der Chirurg über einen kleinen Schnitt in die Bauchdecke das Laparoskop – ein langes, dünnes Rohr mit Kamera – in die Bauchhöhle des Patienten ein. Das Laparoskop ist mit einer Lichtquelle versehen und stellt alles vergrößert dar. Eine Spül- und Absaugvorrichtung sorgt dafür, dass der Untersucher klare Sicht hat.

Ein Bauchhoden lässt sich mit dem Laparoskop nicht nur erkennen, sondern direkt operieren. Liegt er relativ nah am Leistenkanal, wird er sofort freigelegt und über den Leistenkanal in den Hodensack verlegt (laparoskopische Orchidopexie). Sollte er sich weiter als drei Zentimeter vom Leistenkanal entfernt befinden, führt man die Operation gewöhnlich in zwei Schritten durch.

Zunächst werden Hoden und Samenstrang nur aus dem umgebenden Gewebe befreit. Erst sechs Monate später erfolgt dann die Verlagerung in das Skrotum (eine sogenannte "zweizeitige Operation nach Fowler-Stephens").

Sollte sich während der Untersuchung herausstellen, dass ein Hoden fehlt, zum Beispiel wenn der Samenstrang blind endet, bricht der Arzt die Laparoskopie ab.

Offene Hodenhochstand-OP (inguinale Orchidopexie)

Ist ein hochstehender Hoden tastbar oder bei der Ultraschalluntersuchung in der Leiste zu erkennen, folgt in der Regel eine offene Operation über die Leiste (inguinal). Der Arzt macht einen kleinen Schnitt im Bereich der Bauchfalte und legt den Leisten- beziehungsweise Gleithoden und den zugehörigen Samenstrang frei.

(Video) Hodenhochstand bei Jungen: Behandlungsmöglichkeiten und neue Erkenntnisse

Über den Leistenkanal tastet er sich mit einem Finger in den Hodensack vor und legt dort eine kleine Tasche an, in die er den Hoden anschließend verlagert. Wichtig ist, Hoden und Samenstrang so freizulegen, dass in ihrer neuen Position kein Zug auf sie wirkt.

Damit der Hoden nach seiner Verlagerung nicht wieder in die alte Position zurückweicht, näht ihn der Operateur zusätzlich mit einem dünnen Faden an der Innenseite des Skrotums fest (Orchidopexie).

Autotransplantation

Die Autotransplantation ist wie die inguinale Orchidopexie ein offenes Operationsverfahren. Diese Methode setzt man allerdings nicht bei Leistenhoden, sondern bei bestimmten Formen der Bauchhoden ein. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die Gefäße, die den Bauchhoden versorgen, zu kurz sind, um diesen in das Skrotum zu verlegen.

Dann trennt der Chirurg den Hoden zunächst von seinen Gefäßen ab und verbindet ihn anschließend mit Gefäßen aus der Bauchdecke, die näher am Skrotum liegen. Somit wird der Hoden weiter durchblutet und lässt sich nun in das Skrotum verlagern.

Komplikationen bei der Hodenhochstand-OP

Jede Operation ist mit allgemeinen Risiken verbunden. Dazu gehören zum Beispiel Nachblutungen, Wundinfektionen oder Verletzungen angrenzender Strukturen, wie zum Beispiel Nerven. Zu den speziellen Komplikationen nach einer Orchidopexie gehören:

  • Schrumpfhoden (Hodenatrophie): In seltenen Fällen führt eine Verletzung der versorgenden Gefäße dazu, dass der Hoden verkümmert. Nach einer Autotransplantation passiert das bei 20 bis 30 Prozent der Patienten.
  • Durchtrennung des Samenleiters mit nachfolgender Einschränkung der Fruchtbarkeit
  • Erneut auftretender Hodenhochstand (Rezidiv): Einen Hodenhochstand ein zweites Mal zu operieren, ist mit weiteren Komplikationen verbunden, weil nach der ersten Operation meist Vernarbungen entstehen.

Die genannten Komplikationen sind – abgesehen von der Hodenatrophie nach Autotransplantation – selten. Ihnen gegenüber steht eine hohe Erfolgsrate der chirurgischen Eingriffe: 70 bis 90 Prozent der Operationen eines Hodenhochstandes verlaufen erfolgreich.

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Hodenhochstand: Welche Folgen sind möglich?

In den meisten Fällen ist es notwendig, Jungen mit einem Hodenhochstand zu operieren, denn der hochstehende Hoden steigt nach der Geburt nur selten von alleine ab. Lediglich bei sieben Prozent aller Betroffenen geschieht dies innerhalb des ersten Lebensjahres. Danach wird es zunehmend unwahrscheinlicher.

Mit einer rechtzeitigen Behandlung reduziert man das Risiko für mögliche Komplikationen beim Hodenhochstand. Folgen wie Unfruchtbarkeit und Tumore treten dann mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit auf, als wenn man den Hoden erst nach Jahren oder gar nicht in das Skrotum verlegt.

Nach einer erfolgreichen Behandlung ist es dennoch wichtig, stets auf Veränderungen am Hoden zu achten. Auch wenn man den Hodenhochstand innerhalb des ersten Lebensjahres korrigiert, besteht beispielsweise lebenslang ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken.

Die meisten Hodentumore treten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Typische Anzeichen sind schmerzlose Größen- und Konsistenzänderungen am Hoden. Jungen, die einmal einen Hodenhochstand hatten, sollten schon früh lernen, auf solche Zeichen zu achten und damit zu einem Arzt zu gehen. Je früher man Hodenkrebs erkennt, desto besser sind die Heilungschancen.

Komplikationen beim Hodenhochstand: Erwachsener Mann

Auch wenn frühzeitig eine Therapie erfolgt, führt ein zurückliegender Hodenhochstand manchmal im späteren Verlauf zu Komplikationen. Diese machen sich aber meist erst im Erwachsenenalter bemerkbar.

Hodendrehung

In manchen Fällen begünstigt die falsche Lage des Hodens eine Hodentorsion, also eine Drehung des Hodens am Samenstrang. Das schnürt die Gefäße ab, die den Hoden versorgen. Behandelt man die Torsion nicht sehr schnell, stirbt der Hoden ab.

Leistenbruch

Außerdem entstehen bei Leisten- und Gleithoden manchmal Schwachstellen im Leistenkanal. An solchen Stellen besteht die Gefahr, dass Teile von Eingeweiden aus der Bauchhöhle hindurchtreten. Es ragt dann ein sogenannter Bruchsack mit Darmanteilen in den Leistenkanal. Ein solcher Leistenbruch (Leistenhernie) macht sich meist als schmerzlose Schwellung in der Leiste bemerkbar.

Es ist wichtig, dass ein Leistenbruch bald behandelt wird. Sonst besteht das Risiko, dass etwa Darmteile eingeklemmt werden und die Durchblutung unterbrochen wird.

(Video) Hodenhochstand (Kryptorchismus, Anorchie, Pendelhoden) Erkrankungen des Kindesalters

Hodenhochstand: Führt er zur Unfruchtbarkeit beim Mann?

Ein Hodenhochstand beeinträchtigt in manchen Fällen die Fruchtbarkeit. Ist nur ein Hoden betroffen, fällt dies kaum ins Gewicht. Männer mit einem beidseitigen Maldescensus testis zeugen hingegen deutlich seltener Kinder.

Hodenkrebs

Auch wenn der Hodenhochstand behandelt wurde, begünstigt er die Entstehung von Hodentumoren. Beim Mann mit operiertem Maldescensus testis steigt das Risiko für Hodenkrebs um das Drei- bis Achtfache gegenüber Männern mit normal liegenden Hoden. Ohne Therapie ist das Risiko für Hodenkrebs bei einem einseitigen Hodenhochstand 20-fach erhöht, bei einem beidseitigen Hodenhochstand 40-mal so hoch.

Wieso treten beim Hodenhochstand Komplikationen auf?

Einerseits ist ein Hodenhochstand von Anfang an mit erhöhten Risiken hinsichtlich Unfruchtbarkeit und Hodenkrebs verbunden. Bei den Betroffenen sind der falsch liegende und sogar der richtig positionierte Hoden grundsätzlich stärker gefährdet, im späteren Verlauf Komplikationen zu entwickeln (Primärschaden).

Hinzu kommt, dass eine dauerhaft erhöhte Umgebungstemperatur den Hoden zusätzlich schädigt (Sekundärschaden). Während im Hodensack nämlich eine Temperatur von etwa 33 Grad Celsius herrscht, ist es im Leistenkanal beziehungsweise Bauchraum zwei bis vier Grad wärmer.

Je höher die Temperatur und je länger der Hoden ihr ausgesetzt ist, desto mehr steigt das Risiko für Spätfolgen. Entsprechend entstehen im Zusammenhang mit Bauchhoden öfter Komplikationen als bei Leistenhoden oder Gleithoden, weil es in der Bauchhöhle wärmer ist als im Leistenkanal.

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Welche Symptome verursacht ein Hodenhochstand?

Zunächst zeigen sich meist keine unmittelbaren Symptome durch einen Hodenhochstand. Wenn jedoch keine rechtzeitige Behandlung erfolgt, treten im späteren Verlauf mitunter ernsthafte Komplikationen auf.

Symptome beim Hodenhochstand: Baby und Kind

Babys und Kinder mit einem Hodenhochstand haben gewöhnlich keine direkten Beschwerden, wie Schmerzen oder hormonelle Störungen. Die betroffenen Hoden liegen zwar nicht richtig, sind aber normal ausgebildet.

Im Jugendalter empfinden manche Betroffene es allerdings mit steigendem sexuellem Bewusstsein als psychische Belastung, wenn einer oder beide Hoden nicht im Skrotum liegen. Da aber in der Regel ein Hodenhochstand noch vor dem ersten Geburtstag behandelt wird, kommt es so weit meist gar nicht.

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Was ist die Ursache für einen Hodenhochstand?

Ein Hodenhochstand hat meist mehrere Ursachen, wobei in vielen Fällen genetische Faktoren zugrunde liegen. Durch bestimmte Fehler in der Erbsubstanz des ungeborenen Kindes ist der korrekte Hodenabstieg während der Schwangerschaft gestört. Dabei tritt ein Maldescensus testis entweder isoliert auf oder im Rahmen genetischer Syndrome, also zusammen mit weiteren Fehlbildungen und anderen Symptomen einer gestörten Entwicklung.

Direkte Auslöser eines Hodenhochstandes sind dann zum Beispiel anatomische Fehlbildungen, die den Abstieg des Hodens mechanisch behindern (Prune-belly-Syndrom, Gastroschisis, Omphalozele).

Eine andere Ursache ist eine unzureichende Ausschüttung wichtiger Botenstoffe während der Schwangerschaft. Für einen fehlerfreien Hodenabstieg sind vor allem die Hormone HCG (humanes Choriongonadotropin), GnRH (Gonadotropin releasing hormone) und das männliche Geschlechtshormon Testosteron wichtig.

(Video) Hormonbehandlung bei Hodenhochstand (Wolfgang Rösch)

Ein Hodenhochstand entsteht mitunter auch durch äußere Einflüsse. Zu den Ursachen ohne genetischen Hintergrund gehören zum Beispiel:

  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Alkoholkonsum während der Schwangerschaft
  • Diabetes mellitus der Mutter
  • Umweltfaktoren wie z.B. bestimmte Pestizide
  • Schwangerschaft durch das künstliche Einbringen von Samenzellen direkt in die Gebärmutterhöhle (intrauterine Insemination)
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Wie lässt sich ein Hodenhochstand feststellen?

Es gibt verschiedene Diagnostikmethoden, die dem Arzt helfen, einen Hodenhochstand zu erkennen und ihn genau zu klassifizieren.

Körperliche Untersuchung

Weil der Hodenhochstand eine relativ häufige angeborene Fehlbildung ist, gehört die genaue Untersuchung des Skrotums und der Leisten zu den Routineuntersuchungen beim Neugeborenen.

Der Arzt beginnt die Untersuchung damit, den Hodensack und die Leisten abzutasten. Bei Babys zieht der Untersucher dafür die Beine des Kindes zum Bauch. Dabei ist es für den Arzt hilfreich, wenn die Mutter oder der Vater dabei assistieren. Durch das Abtasten würde bereits auffallen, wenn im Skrotum ein Hoden fehlt beziehungsweise ein Leistenhoden vorliegt.

Um die Art des Hodenhochstands zu ermitteln, versucht der Arzt den Hoden mit der einen Hand wiederholt von der Leiste nach unten auszustreichen und mit der anderen Hand sanft in den Hodensack zu ziehen. Wenn ihm das gelingt und der Hoden wieder in den Leistenkanal zurückwandert, nachdem man ihn loslässt, handelt es sich um einen Gleithoden.

Lässt sich der Hoden nicht aus dem Leistenkanal bewegen, ist es ein Leistenhoden.

Die körperliche Untersuchung führt der Arzt möglichst in warmer und entspannter Umgebung durch. Denn Kälte und Stress lösen den sogenannten Kremasterreflex aus und stören somit die Untersuchung.

Bildgebende Untersuchung

Ist ein Hoden weder im Skrotum noch in der Leiste tastbar, helfen eventuell eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) oder Magnetresonanztomografie (MRT) weiter. Zwar sind diese Verfahren nicht zu 100 Prozent verlässlich, aber ein Großteil der verborgen liegenden Hoden lässt sich so aufspüren. Die MRT erleichtert vor allem bei sehr übergewichtigen Patienten die Lagebestimmung eines Hodens.

Bluttests

Für den Fall, dass beide Hoden weder tastbar, noch mithilfe der bildgebenden Methoden aufzufinden sind, gibt es spezielle Bluttests. Dabei untersucht man das Blut auf bestimmte Botenstoffe, die hauptsächlich von den Hoden produziert werden.

Besonders der Testosterongehalt ist aufschlussreich, wenn der Arzt keine Hoden ertastet hat. Denn sollten diese dennoch vorhanden sein – zum Beispiel in der Bauchhöhle – dann befindet sich mehr Testosteron im Blut, als wenn sie gar nicht angelegt wären.

Damit der Test aussagekräftiger ist, spritzt man dem Patienten drei bis vier Tage vor der Blutabnahme HCG, ein spezielles Hormon, das eine Testosteronfreisetzung aus den Hoden verstärkt (HCG-Stimulationstest).

Als Alternative ist die Bestimmung der Blutkonzentration von Inhibin-B möglich. Auch diese Substanz entsteht in bestimmten Hodenzellen und dient daher als Marker für vorhandene Hoden.

Wenn die Bluttests normale oder erhöhte Werte an Testosteron beziehungsweise Inhibin-B zeigen, dann geht der Arzt davon aus, dass der Patient Hoden hat. Im nächsten Schritt folgt dann die Bauchspiegelung, um die verborgenen Hoden zu finden. Sollten die Bluttests dagegen negativ sein, ist es unwahrscheinlich, dass der Patient Hoden hat.

Bauchspiegelung (Laparoskopie)

Mithilfe der Laparoskopie sucht der Arzt den gesamten Bauchraum nach den verborgenen Hoden ab, ohne dass dafür eine größere Operation notwendig ist. Die Methode hinterlässt nur sehr kleine Narben und wird auch als "Schlüsselloch-Chirurgie" bezeichnet.

(Video) Schmerzen in den Hoden oder der Leiste? - Das sind die häufigsten Ursachen | Urologie am Ring

Die Laparoskopie ist nicht nur eine Untersuchungsmethode, sondern wird gleichzeitig genutzt, um den Hodenhochstand zu beheben. Dafür muss der Operateur allerdings über weitere Schnitte zusätzliche Instrumente in die Bauchhöhle einführen.

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FAQs

Was kann bei Hodenhochstand passieren? ›

Mögliche Folgen eines unbehandelten Hodenhochstands sind Unfruchtbarkeit, Leistenbruch und Hodenverdrehung (Hodentorsion). Alle Betroffenen weisen ein fünf- bis zehnfach erhöhtes Risiko auf, an Hodenkrebs zu erkranken.

Warum ist es wichtig dass ein Hodenhochstand rechtzeitig behandelt wird? ›

Ursachen bei Hodenhochstand

Die Erfolgsrate liegt bei 20 Prozent, sodass die Therapie heute meistens operativ erfolgt. Wichtig ist, dass die Behandlung so früh wie möglich erfolgt, damit sich das Hodengewebe gut entwickeln kann, was sich dann positiv auf die Zeugungsfähigkeit auswirkt.

Was passiert wenn Hodenhochstand nicht operiert wird? ›

Ein Hodenhochstand, wenn in den ersten Lebensjahren operiert, sollte die Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit nicht beeinflussen, meint Guido Baumgartner. Wichtig ist aber, dass ein hochstehender Hoden zeitig operiert wird. Ansonsten steigt das Risiko für Hodenkrebs um etwa das Zehnfache.

Bis wann muss ein Hodenhochstand operiert werden? ›

Als Richtlinie gilt: Ende des 2. Lebensjahres sollte jeder Hodenhochstand behandelt sein, andernfalls entsteht zunehmend die Gefahr einer eingeschränkten Zeugungsfähigkeit. Ein Hodenhochstand lässt sich vom geübten Kinderchirurgen problemlos ambulant operieren.

Kann man mit Hodenhochstand Kinder zeugen? ›

Wenn die Hoden nicht in den Hodensack herabwandern, sondern in der Bauchregion oder in der Leistengegend bleiben, sprechen Ärzte von einem Hodenhochstand. Jungen, die von dieser angeborenen Fehlbildung betroffen sind, können ohne Behandlung zeugungsunfähig werden.

Wieso rutschen Hoden hoch? ›

Ursache ist eine Störung des Hodenabstiegs durch den Leistenkanal in den Hodensack während der vorgeburtlichen Entwicklung. Der Hoden bleibt also oberhalb des Hodensacks hängen (Hodenhochstand, Maldescensus testis). 80 % der hochstehenden Hoden wandern innerhalb der ersten Lebensmonate spontan in den Hodensack.

Was beachten nach Hodenhochstand OP? ›

Die ersten 2-3 Tage sollte ihr Kind möglichst auf dem Sofa oder im Bett verbringen und den Genitalbereich entlasten. Kurze Wege zur Toilette, zum Essen oder zur ärztlichen Nachkontrolle sind erlaubt. Ihr Kind kann in den nächsten Tagen zur normalen Aktivität zurückkehren.

Wie lange Bettruhe nach Hodenhochstand OP? ›

Das wichtigste nach einer Operation zur Hodenverlagerung ist Bettruhe für einige Tage und körperliche Schonung für 3 – 4 Wochen. Der Hoden muss an seiner neuen Position im Hodensack einheilen können, bei zu früher Aktivität können die zur Fixierung verwendeten Nähte ausreißen.

Wie wird ein Hodenhochstand operiert? ›

Wie wird ein Hodenhochstand operiert? Der Eingriff kann sowohl konventionell als auch minimalinvasiv mit der sogenannten "Schlüssellochtechnik" durchgeführt werden. Dabei werden Hoden und Samenstrang vom umgebenden Bindegewebe abgelöst und in den Hodensack herabgezogen.

Wie lange dauert eine Hoden OP? ›

In der Regel dauert der Eingriff etwa eine halbe Stunde.

Wie lange muss man nach einer Hoden OP im Krankenhaus bleiben? ›

Nach der Operation kommen Sie 1 – 2 Stunden nach der OP wieder in Ihr Zimmer zurück. Sie können in der Regel das Krankenhaus am 2. bis 3. Tag nach der Operation verlassen.

Kann man durch einen Tritt in die Eier unfruchtbar werden? ›

Schädigungen des samen- bzw. testosteronbildenden Gewebes des Hodens können zu Unfruchtbarkeit (Infertilität) führen. Daher müssen Hodenverletzungen besonders sorgfältig untersucht und behandelt werden. Kühlung und Ruhiglagerung der Hoden führen zu einer Schmerzlinderung.

Ist ein Gleithoden gefährlich? ›

4 Komplikationen. Wie nahezu alle Formen des Maldeszensus testis birgt auch das Vorliegen eines Gleithodens das Risiko einer späteren Infertilität der betroffenen Person. Grund dafür sind die erhöhten Temperaturen im Bauchraum, welche die Spermiogenese behindern.

Warum hängt der Hodensack manchmal? ›

Bekanntlich sind die Hoden temperaturempfindlich und unterliegen einer anatomischen Temperaturregulation: Ist es warm, hängen die Hoden etwas tiefer, also weiter vom Körper weg und damit kühler.

Was tun bei Hodenhochstand Kind? ›

Wie muss ein Hodenhochstand behandelt werden? Der Hodenhochstand kann durch eine Operation oder eine Kombination von Hormontherapie und Operation behandelt werden. Das Ziel ist heute, dass sich der Hoden am ersten Geburtstag sicher im Hodensack befindet.

Wie sehen normale Hoden aus? ›

Die Hoden befinden sich freihängend am Samenstrang im Hodensack (Skrotum). Sie weisen eine längliche Form auf und erreichen einen Durchmesser von etwa drei Zentimetern. Ihre Länge beträgt ungefähr vier Zentimeter und ihr Gewicht schwankt zwischen 25 und 30 Gramm.

Kann man ohne beide Hoden leben? ›

Wenn ein Mann aus irgendwelchen Gründen gar keinen Hoden mehr hat, kann er keine Kinder mehr zeugen, da er keine Spermien mehr bilden kann. Ausserdem muss ihm dann lebenslang Testosteron von aussen zugeführt werden (als Medikament), damit er keine gesundheitlichen Probleme bekommt.

Wie erkennt man einen Hodenhochstand? ›

Es gibt vier verschiedene Arten von Hodenhochstand. Der Bauchhoden ist nur mit dem Ultraschall zu erkennen und die Hoden sind nicht zu ertasten. Der Leistenhoden lassen sich zwar im Leistenkanal ertasten, können aber von dort nicht in den Hodensack hineingeführt werden. Der Gleithoden befindet sich im Hodeneingang.

Wie viel kostet ein Spermiogramm? ›

Eine Untersuchung des Spermas kostet in der Regel zwischen 60 und 90 Euro. Das die Krankenkassen die Kosten übernehmen ist nicht immer nicht immer der Fall. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch über eine längeren Zeitraum und zur Abklärung der Ursachen, sollte die Kostenübernahme aber kein Problem darstellen.

Kann man schwanger werden ohne das er gekommen ist? ›

Ja, denn es besteht die Möglichkeit, dass das Präejakulat Spermien enthält und Sie schwanger werden, auch wenn keine vollständige Ejakulation in die Vagina erfolgt.

Wie merkt man dass man unfruchtbar ist Mann? ›

Als unfruchtbar bzw. zeugungsunfähig gilt ein Mann, wenn er trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütungsmittel innerhalb von einem Jahr mit seiner Partnerin kein Kind zeugen kann. Bei Männern werden dafür häufig die Begriffe Sterilität und Infertilität synonym verwendet.

Was ist ein Schlepphoden? ›

Schlepphoden bedeutet: Bezeichnung für den Hodensack, der sehr lang ist.

Wann muss ein Pendelhoden operiert werden? ›

Ein Pendelhoden muss in der Regel nicht behandelt werden. Hierbei sitzen die Hoden meistens an ihrem richtigen Platz, ziehen sich aber manchmal kurzzeitig in den Körper zurück. In der Pubertät nisten sie sich endgültig im Hodensack ein.

Was ist ein Schlupfhoden? ›

Hodenhochstand – Kryptorchismus. Sind ein oder beide Hoden nach der Geburt nicht im Hodensack tastbar, so wird dies als Hodenhochstand oder als Kryptorchismus bezeichnet. Die Hoden liegen dabei meist im Leistenkanal oder im Bauchraum.

Wie behandelt man Hodenhochstand? ›

Hodenhochstand: Hormontherapie

Es ist möglich, dass der Arzt die Hormone jeweils einzeln oder in Kombination gibt. GnRH gibt es als Nasenspray, HCG als Spritze. Je näher ein Hoden am Skrotum liegt, desto wahrscheinlicher gelingt die Hormontherapie. Insgesamt ist die Erfolgsrate aber mäßig.

Wie erkennt man einen Hodenhochstand? ›

Hodenhochstand bedeutet, dass einer oder beide Hoden nach der Geburt nicht im Hodensack ertastet werden können. Oft befinden sich die Hoden stattdessen noch in der Leiste oder im Bauchbereich.

Was tun bei Hodenhochstand Kind? ›

Wie muss ein Hodenhochstand behandelt werden? Der Hodenhochstand kann durch eine Operation oder eine Kombination von Hormontherapie und Operation behandelt werden. Das Ziel ist heute, dass sich der Hoden am ersten Geburtstag sicher im Hodensack befindet.

Wie wird ein Hodenhochstand operiert? ›

Wie wird ein Hodenhochstand operiert? Der Eingriff kann sowohl konventionell als auch minimalinvasiv mit der sogenannten "Schlüssellochtechnik" durchgeführt werden. Dabei werden Hoden und Samenstrang vom umgebenden Bindegewebe abgelöst und in den Hodensack herabgezogen.

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1. Hodenhochstand, Wander- und Pendelhoden
(Sexualkunde 2.0)
2. Leben mit einem Hoden - geht das? | Urologe Göttingen
(UroChannel)
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Author: Frankie Dare

Last Updated: 12/15/2022

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